
Über mich
Ich bin Statistiker – und ich mag Dinge, die sich sauber erklären lassen. Zahlen sind für mich ein Instrument, um die Welt besser zu verstehen: Was passiert da eigentlich? Warum? Und was ändert sich, wenn man an einem Hebel dreht?
Der ÖPNV war für mich lange zuerst Alltag, nicht Beruf. Ich war Fahrgast, bevor ich „Verbundstrukturen“ sagen konnte. Ich kenne dieses stille Glück, wenn ein Umstieg funktioniert, man pünktlich ankommt und der Fahrschein in der Hosentasche richtig ist. Und ich kenne auch das Gegenteil: wenn es irgendwo hakt – manchmal an Kleinigkeiten, manchmal an Systemlogik. Genau diese Perspektive von innen, aus Nutzersicht, ist bis heute mein Kompass. Am Ende geht es nicht um internen Selbstzweck, sondern um Menschen, Wege, Zeit – und Verlässlichkeit. Der ÖPNV ist mehr als systemrelevant.
Seit knapp zehn Jahren arbeite ich professionell in den Strukturen des ÖPNV. Das sind die Dinge, die man als Fahrgast selten sieht, die aber alles zusammenhalten: Verkehrsverbünde, Tarifsysteme, Einnahmenlogik, Datengrundlagen, politische Rahmenbedingungen. Im Alltag begleitet mich oft die Frage: „Kriegen wir das überhaupt umgesetzt?“ Gerade deshalb ist mir der Austausch in der Branche wichtig – unter anderem im VDV, in der ÖPNV-Brancheninitiative sowie auf Tagungen und Arbeitsformaten, wo man sieht, was anderswo funktioniert und warum.
Der Anfang war vielleicht nicht besonders: als Praktikant im Magdeburger Regionalverkehrsverbund – marego mit der Aufgabe, Kundenbefragungen auszuwerten. Ich erinnere mich noch gut daran, wie überrascht ich war, dass die Verbundarbeit für eine Region mit einem wirklich kleinen Team von weniger als zehn Personen funktionieren kann. Für mich war das der perfekte Einstieg, weil ich sehr schnell Einblicke in fast alle Bereiche bekommen habe. Und durch die enge Abstimmung mit den Verkehrsunternehmen (marego ist ein Unternehmensverbund) wurde mir früh klar: manche Probleme versteht man erst richtig, wenn sie aus Sicht der „Front“ betrachtet werden – dort, wo Betrieb, Vertrieb und Kundenkontakt zusammenkommen. Von der anderen Seite war es erkennbar, dass die Arbeit „an der Front“ oft die strategische Planung deutlich erschwert.
In dieser aktuellen Dekade meiner beruflichen Arbeit habe ich sehr unterschiedliche Projekte begleitet, mitgestaltet oder selbst angestoßen: von den vermeintlich einfachen Kalkulationen der Preismaßnahme, über die Konzipierung einer Tarifstrategie, bis hin zur Entwicklung eines ganz neuen Verfahrens zur Einnahmenaufteilung im Kontext des Deutschland-Tickets und einem landesweiten Beteiligungsprozess der Branche in Sachsen-Anhalt. Was ich dabei gelernt habe: es gibt genau drei unheimlich wichtige Sachen auf Arbeit:
- Zusammenarbeit – die Profitierenden sind zu identifizieren und die Mehrwerte für Beteiligte auszuarbeiten.
- Struktur – ohne Struktur läuft nichts, dazu gehört nicht nur der Zeitplan, sondern vor allem das klar definierte Ziel des Handelns (oft muss man die Struktur erst selbst schaffen).
- Zahlen – jedes Ziel, jede Erwartung ist erst dann umsetzbar, wenn sie in die Zahlensprache übersetzt wird, weil sie dadurch auch prüfbar ist. Alles andere bleibt Bauchgefühl.
Was mich fachlich antreibt
Mein Lieblingsgebiet liegt dort, wo ÖPNV gleichzeitig Mathematik und Praxis ist: im Tarif.
Ich habe an Tarifen Spaß, weil sie nie „nur Preise“ sind. Ein Tarif ist ein Steuerungsinstrument – manchmal sogar ein ziemlich mächtiges. Er beeinflusst Nachfrage, Erlöse, Fairness-Empfinden, Verständlichkeit, Vertrieb, Kontrolle, Kommunikation und oft auch das Image eines Systems. Genau diese Wechselwirkungen sind es, die mich reizen: Man ändert eine Stellschraube – und plötzlich bewegt sich an fünf Stellen etwas mit.
Und gerade im deutschen ÖPNV wird das Thema Pricing spürbar wichtiger. Mit dem Deutschland-Ticket hat sich das Spielfeld verändert: Erwartungen an Einfachheit sind gestiegen, das System ist gleichzeitig komplexer geworden, und Entscheidungen haben größere Reichweite als früher.
Typische Fragen, an denen ich gern arbeite:
- Wie kann ein Tarif die Bedürfnisse der Nutzer wirklich treffen – ohne dass er im Hintergrund auseinanderfällt?
- Wie verändert ein Produkt die Nachfrage – je nach Gruppe, Zeit, Raum?
- Was heißt „Einfachheit“, wenn man Erlöslogik, Fairness und Umsetzbarkeit mitdenken muss?
- Welche Effekte sind robust – und welche sehen nur gut aus, weil Daten, Saisonalität oder Annahmen uns etwas vorgaukeln?
Hier kommt mein statistischer Hintergrund voll zum Tragen: Ich denke in Hypothesen, Unsicherheiten, Signifikanzen. Ich mag Modelle – aber nur, wenn man sie jemandem erklären kann, ohne dass er abschaltet. Und wenn am Ende eine Entscheidung möglich wird, die auch in der echten Welt Bestand hat. Der ÖPNV ist kein Labor. Genau deshalb ist er so spannend.
Worum es auf dieser Seite geht
Diese Website ist mein Ort, um Wissen zu teilen. Ich sammle hier Gedanken, Analysen, methodische Notizen und Beobachtungen aus der Praxis – Dinge, die mir im Alltag begegnen und die ich gern sauber und nachvollziehbar auseinandernehme.
Wenn Sie Tarife, ÖPNV-Logik, Daten und Wirkungsfragen interessieren: Willkommen.
Noch 2 kleine Hinweise
Sprache & Übersetzungen:
Ich veröffentliche Inhalte auf Deutsch und Polnisch, weil ich in beiden Sprachen arbeite. Aufgrund der Themenbreite und der begrenzten Zeit entstehen die Versionen in der jeweils zweiten Sprache per maschineller Übersetzung; die fachliche Aussage prüfe ich anschließend selbst.
Geschichte / Kliometrie:
Neben Verkehr und Tarifen beschäftige ich mich hobbymäßig mit Geschichte – besonders mit Kliometrie, also historischer Forschung mit Daten und statistischen Methoden. Deshalb finden Sie hier auch meine Publikationen mit historischem Schwerpunkt.
Privat
Privat komme ich aus Oberschlesien – und habe eine zweite Heimat in der Otto-Stadt Magdeburg gefunden. Ich bin Vater von zwei Kindern und Hundebesitzer. Das hilft mir, die Welt auch außerhalb von KPIs und Systemfragen im Blick zu behalten.